POLYNEUROPATHIE
Wer bezahlt eigentlich eine erforderliche, stationäre
Rehabilitationsbehandlung?
(Originaltext der Bundesregierung): "Die Krankenversicherung finanziert
Rehabilitationsleistungen, wenn diese erforderlich sind, um eine Kran
kheit zu erkennen,
zu heilen, ihre Verschlimmerung zu verhüten oder Beschwerden zu lindern,
sofern die Erwerbsfähigkeit nicht erheblich gefährdet oder gemindert ist.
Sie ist auch zuständig, wenn es darum geht, einer drohenden Behinderung oder
Pflegebedürftigkeit vorzubeugen".
Hinzu kommt seit dem
1.4.2007, daß laut Bundesministerium für Gesundheit alle gesetzlich
versicherte Personen einen Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation haben und
sich ihre Rehabilitationseinrichtung jetzt sogar selbst aussuchen können.
Die Rentenversicherungen sind demnach nur dann zuständig, wenn die
"Behandlungen der Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit bzw.
Wiedereingliederung ins Berufsleben dienen". Wenn also Ihre
Rentenversicherung in diesem Sinne laut Bescheid keinen Handlungsbedarf
sieht, dann ist offensichtlich Ihre Krankenkasse für die Kostenübernahme der
stationären Rehabilitation zuständig.
Laut dem Bundesministerium für Gesundheit
ist die Krankenkasse selbst Kostenträger, wenn eine Behinderung oder eine
Pflegebedürftigkeit droht.
Die Originaltexte finden Sie hier:
http://www.die-gesundheitsreform.de/gesundheitssystem/themen_az/infoblaetter/rehabilitation/index.html?param=st
Der Begriff "Polyneuropathie"
Das Wort Polyneuropathie setzt sich zusammen aus "poly" (= viel, mehr als normal), neuro (= Nerven betreffend) und "pathie" (= Leiden, Schaden, Krankheit). Eine Polyneu ropathie ist demnach Folge einer Erkrankung mehrer Nerven.
Schädigungen peripherer
(= außerhalb
Rücken
mark und Gehirn
verlaufender)
Nerven
können zu
Schmerz
en in
Arme und
Beine, vor allem im
Bereich von
Finger und
Zehen führen.
Eine Polyneu ropathie tritt in der
Folge oder als Symptom
(= Anzeichen) verschiedener
Erkrankungen auf und stellen kein eigenständiges Leiden dar.
Die möglichen Ursachen einer
Polyneuropathie
sind äußerst vielfältig (Griffin 1984, Ludin 1984).
Gibbels (1980) nennt in einer großen Übersichtsarbeit 168 mögliche
Grundkrankheiten. In der Praxis dominieren mit je einem Drittel der Fälle die al
kohol
ische (tox ische)
und die d
iabet
ische (me
tabolische)
Genese (= Entstehung) (Neundörfer
1988).
In unklaren Fällen ist vor allem an exotoxische
(= von außen zugeführte Gifte)
Ursachen durch Medikamente (Vinca-Alkaloide, Nitrofurantoin u.a.m.) sowie
Gewerbegifte zu denken, daneben kommen endotoxische
(= Gifte die im Körper selbst entstehen)
(Porphyrie (= erbliche oder erworbene Stoffwechselstörung),
Urämie (= Harnvergiftung))
und evtl. infekt
iöse Ursachen
(Borreliose,
Ehrlichiose
nach
Zeckenbiß bzw.
Zeckenstich) in
Frage. Sog.
metabolische Polyneuropathie
n können bei Vitamin B12-oder auch Vitamin E-Mangel entstehen, darüber
hinaus im Rahmen folgender Krankheiten: Neben Diabetes mellitus Morbus Refsum
(unnatürliche Speicherung der Phytansäure als Folge einer Störung der
Alpha-Oxidation), Bassen-Kornzweig-Syndrom (Hypocholesterinämie und Verminderung
der beta-Lipoproteine) und
Morbus Fabry (Mangel an alpha-Glucosidase).
Relativ häufig sehen wir Fälle, bei denen die Poly neuropathie auf eine vorangegangene Chemotherapie zurückzuführen war, da viele Zytostatika neurotoxisch (= Gift für die Nerven) sind. Des weiteren ist in unklaren Fällen daran zu denken, daß auch das Schwermetall Blei einePolyneu ropathie auslösen kann, in alten Häusern finden sich z.T. ja noch Wasserrohre aus Blei. Eine solche Ursache läßt sich mit einer chemischen Haaranalyse nachweisen.
Die Unterscheidung zwischen diabetischer und alkoholischer Ursache ist häufig anhand der Sudomotorik (= Schweißverhalten) der Fü ße möglich; sie sind beim Diabetiker meist schilfrig trocken, bei Alkoholmißbrauch nicht selten stark schweißig (Neundörfer 1988).
Die Patienten klagen im fortgeschrittenen
Stadium über brennende
Dauerschmerzen im
Versorgungsgebiet peripherer
(= außerhalb Rückenmark und Gehirn verlaufender)
Ner
ven,
Parästhesien (=
Fehlempfindungen),
Hyperästhesien (=
gesteigerte Empfindlichkeit für Sinnesreize)
und
Hyperpathien (=
gesteigerte
Berührung
sempfindlichkeiten),
Druckschmerzhaftigkeit von
Nerven
und
Muskeln sowie evtl.
über motorische (= die Muskelfunktion betreffende) Reizerscheinungen (Cram
pi) (Gerstenbrand et Rumpl
1988), teilweise auch
Wadenkrämpfe.
Schmerzattacken wie
bei einer
Neuralgie sind sehr
selten.
Betroffen sind hpts. die
Füße /
Beine, gefolgt von
Hände
/
Arme.
Charakteristisch sind socken- bzw.
hand schuhförmige
Sensibilitätsstörungen
(= Störungen der Empfindlichkeit).
Der brennen
de Schmerzcharakter kann manchmal zur
Verwechslung mit einer
Kausalgie (Komplexes
regionales Schmerzsyndrom Typ II, bzw.
CRPS Typ II)
führen.
Ist das vegetative Nervensystem
geschädigt, kann sich die
Neuropathie durch
Veränderungen der Haut und Nägel, vermehrte oder verminderte Schweißproduktion
und Herzrhythmusstörungen bemerkbar machen.
Eine Sonderform der diabet
ischen Poly
neuropathie
stellt das
Lund
baek Syndrom
dar. Dabei kommt es bei länger bestehendem Diabetes mellitus zu Parästhesien
(= Fehl-,
Mißempfindungen),
Bewegungsschmerz,
intermittierendes
Muskel
versagen, Muskelsteife und Druckschmerzhaftigkeit im
Hand
-
Unterarm
-Bereich (Therapie siehe unten).
Bei der klinischen Untersuchung fallen
vor allem Hypo- bis Areflexie (= Abschwächung bis hin zu Ausfall der Muskeleigenreflexe),
Ausfälle im Vibrationsempfinden (Pallhypästhesie
bis hin zu
Pallanästhesie) und
Störungen der Sudomotorik
(= Schweißverhalten)
auf, die von Lähmungen begleitet sein können.
Je nach Verteilungsmuster unterscheidet man symmetrische und asymmetrische, rein
sensorische (= die
Empfindlichkeit betreffende) oder
sensorisch-motorische
(= die Empfindlichkeit und Muskelkraft betreffende)
Formen von
Polyneuropathien.
EMG (Elektromyographie) und NLG (Nervenleitgeschwindigkeit) sichern die
Diagnose.
Eine häufig unterschätzte Komplikation der schweren peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) stellt die ischämische Polyneuropathie dar. Bei der klinischen Symptomatik treten motorische Defizite (= Muskelschwäche) gegenüber Schmerzen und Sensibilitätsstörungen zurück. Überwiegend handelt es sich um asymmetrische (= ungleich verteilte), nur die Be ine betreffende Manifestationstypen. Alle Nervenfaserklassen sind betroffen. Neben der ischäm ische n Pol yneuropathie findet sich häufig die Kombination mit einer diabet ischen Poyneuropathie, gekennzeichnet durch klinische und neurophysiologische Unterschiede. (mod. n. Deutsches Ärzteblatt 97, Ausgabe 42). Diese Kombination wird auch als diabetischer Fuß bezeichnet.
Unter dem Krankheitszeichen einer Pol yneuropathie können sich u.a. folgende Krankheitsbilder verbergen:
| - Polyradikulitis Guillain-Barre |
| - funikuläre Myelose |
| - Tabes dorsalis |
| - Botulismus |
Kausale
(= auf die Ursache gerichtete)
Therapie der Pol
yneuropathie:
Am häufigsten wird der
Schmerztherapeut
wegen einer Pol
yneuropathie bei Diabetes mellitus aufgesucht. Zur Stabilisierung eines
möglichen Therapieerfolgs, aber auch um eine weitere Beschwerdezunahme zu
verhindern, ist es sehr wichtig, die Stoffwechsellage zu optimieren. Dazu ist
eine enge Kooperation mit dem behandelnden Hausarzt oder Internisten notwendig.
Die häufigste Ursache für eine
toxische Polyneuropathie
(= durch giftige Stoffe verursachte) ist ein Alkoholmißbrauch; wegen der komplexen Kausalität der
Alkoholabhängigkeit kann dieses Problem in der Regel nicht im Rahmen einer
Schmerzsprechstunde gelöst werden. Es muß versucht werden, dem Patienten zu
erklären, daß eine spezifische
Schmerzbehandlung
nur dann sinnvoll sein kann, wenn auf weiteren Alkoholgenuß verzichtet wird.
Angesichts der Fülle möglicher weiterer Noxen
(= schädliche Stoffe)
ist das Aufspüren derselben im allgemeinen schwierig. Hervorzuheben ist, daß
nicht selten auch
Analgetikaabusus
(=
Schmerzmittelmißbrauch)
zu einer Pol
yneuropathie führen kann.
Symptomatische (= auf die Krankheitszeichen ausgerichtete) Therapie der Pol yneuropathie:
Physikalische Therapie:
Eine Vielzahl von Methoden sind geeignet, das
Schmerz
bild einigermaßen erträglich zu halten. Zu erwähnen wären besonders kalte
oder warme Wickel, Wechselbäder, Kneipp`sche Güsse,
Wärmekammer oder eine oberflächliche Kryobehandlung
(= Kältebehandlung)
mit Kondensationsdampf aus flüssigem Stickstoff oder Kaltluftgenerator.
In einigen Fällen kann auch eine Linderung mit transkutaner Nervenstimulation
(TENS) mittels Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden herbeigeführt
werden.
Neuerdings führen wir bei einer Pol
yneuropathie im Bereich der unteren
Extremitäten
(= Beine)
zusätzlich mit gutem Erfolg die SynOpsis Therapie durch. Die
Unterschenkel des
Pat. befinden sich dabei in einem mit Wasser gefüllten Gefäß. Über einen
Computer werden der Flüssigkeit Schallwellen einer bestimmten Frequenz
pulssynchron (= in
Ahängigkeit vom Pulsschlag)
zugeführt. Es handelt sich dabei um ein sog. syncardiales
(= im gleichen Rhythmus)
Gefäßtraining. Durch die Verbesserung der
Durchblutung wird der Stoffwechsel der Nervenzellen optimiert. Mehr über diese
Therapie erfahren Sie hier:
www.1-avk.de
(einfach anklicken).
Auch eine sog.
Hochtontherapie kann sehr hilfreich sein.
Therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung mit
einem örtlichen
Betäubungsmittel):
Wiederholte
Nervenblockade
n -
Die wiederholte Blockierung (Betäubung) der korrespondierenden Nervenleitungen
mit einem lang wirkenden örtlichen Betäubungsmittel
(z.B. Bupivacain) hat sich sehr bewährt. Dabei kommt es neben der (erwünschten)
Hemmung der Nozizeption
(= Schmerzreizleitung)
gleichzeitig zu einer Blockade vegetativer (sympathischer) Faseranteile (Sympathikolyse),
woraus eine sehr deutliche Mehrdurchblutung im korrespondierenden
Gewebebereich resultiert, die jedem
entzündlich/degenerativen Prozeß nachhaltig entgegenwirkt. In diesem Sinne
ist diese Behandlung bei der Pol
yneuropathie nicht nur symptomatisch, sondern auch kurativ
(= auf die Ursache
ausgerichtet).Eine derartige
Durchblutungssteigerung führt auch zu einer Optimierung eines gestörten und
damit potentiell schmerzauslösenden Metabolismus
(= Stoffwechsel)
der Nervenzellen.
Im Bereich der oberen Ex
tremitäten
(=
Arme)
(besonders beim
Lundbaek Syndrom)
bietet sich die Blockade des Pl
exus brach
ialis
(= großes Armnervengeflecht)
an, insbesondere
kontinuierlich mit Katheter.
Im Bereich der unteren Ex
tremitäten
(=
Beine)
kann, besonders bei distal
(= weiter unten)
betonten Beschwerden, zunächst der Nervus isch
iadicus wiederholt blockiert werden. Nach
probatorisch guter Wirkung empfiehlt sich zur Durchführung einer
kontinuierlichen (repetitiven) Blockade die
Einpflanzung eines Katheters (* siehe unten).
Bei den häufig vorkommenden sockenförmigen Beschwerden gilt es jedoch zu
bedenken, daß im
Knöchel
bereich auch der Nervus saphenus beteiligt sein kann, der dann in die
Blockadetherapie mit einbezogen werden muß.
Bei Beschwerden im Bereich der unteren Ex
tremitäten (=
Be
ine) kann auch eine niedrig
dosierte per
idurale
(= rückenmarknahe)
Blockade durchgeführt werden. Dabei gilt, daß eine Therapie mit
Leitungsblockaden dann optimal ist, wenn diese möglichst kontinuierlich
durchgeführt werden, d.h., die Folgeblockade sollte immer dann gesetzt werden,
wenn die vorhergehende eben abgeklungen ist. Dieser Forderung wird am ehesten
die Kathetertechnik gerecht (* siehe unten). In der Regel reicht eine
geringe Lokalanästhetika-Dosierung aus (z.B. Bupivacain 0,125 bis 0,15%). Zur
Therapie werden auch Sak
ralblockaden
(= rückenmarknahe Blockade durch eine Öffnung im
Kreuzbein hindurch)
empfohlen (Kossmann et al.
1988).
Fast regelmäßig kommt es nach einer intensiven Blockadebehandlung bzw. Behandlung mit Lokalanästhetika zu einer Besserung der Pallästhesie (= Vibrationsempfinden), so daß sich die diesbezügliche Untersuchung zur Objektivierung eines Behandlungserfolges eignet.
Intravasale
(= in ein Blutgefäß verabreichte)
Lokalanästhetika-Gabe:
Bei polyneuropathischen Beschwerden im
Beinbereich
hat sich die wiederholte intraarterielle
(= in die Schlagader) Einspritzung eines
Lokalanästhetikum
s
(= örtliches Betäubungsmittel) (z.B.
Lidocain in niedriger Konzentration) gut bewährt. Dabei verabreichen wir eine
Serie von ca. 10 Injektionen in die Arteria femoral
is (=
Schlagader im vorderen
Oberschenkel) an aufeinander folgenden Tagen, jeweils 1x täglich. Um die
Traumatisierung (=
Verletzung) der Arterienwand
möglichst gering zu halten, wird eine sehr dünne Kanüle verwendet. In der Regel
geben die Patienten unmittelbar nach dem Einspritzen ein mehr oder weniger stark
ausgeprägtes Wärmegefühl im behandelten
Bein an.
Selbst wenn die Blutader nicht genau getroffen wird, tritt eine gefäßerweiternde
Wirkung ein, da um das Blutgefäß herum sympathische
(= Teil des unwillkürliche
Nervensystem betreffende)
Nervenfasern verlaufen. So wird z.B. in der Neuraltherapie aus diesem Grunde
bewußt um das Gefäß herum infiltriert.
Sehr gute Erfolge sehen wir, wenn bei der Pol yneuropathie oben beschriebene Nervenblockade n mit einer Infusionsserie kombiniert wird. Der Infusionslösung (z.B. 500 ml NaCl) werden 1-1,5 mg/kg Körpergewicht Lidocain zugesetzt.
* Bei der sog. kontinuierlichen Nervenblockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an den betroffenen Ner ven oder das betroffene Nervengeflecht eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht "aufgeschnitten" werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das Lokalanästhetikum (= örtliches Betäubungsmittel) völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittel in den Katheter auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Nach neueren Erkenntnissen vermag eine solche intensive Blockadebehandlung auch das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen, auch bei einer Pol yneuropathie.
Bestehen polyneuropathische Schmerzen längerfristig, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist i.d.R. eine rein somatische (= körperliche) Schmerzbehandlung nicht mehr ausreichend, sondern es muss auch eine psychologische Schmerzbehandlung bzw. spezielle Schmerzpsychotherapie erfolgen, was aber ambulant kaum möglich ist, weil es nur ganz wenige niedergelassene Psychologen gibt, die eine solche Weiterbildung absolviert haben.
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http://www.polyneuropathie.net aktualisiert: >24.04.2008< kusb& Schmerzklinik (1), Schmerzklinik (2)